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Im Notfall hört die Rivalität auf

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Susan Steinhauser

So sieht die Physiotherapeutin das Fußballspiel – Wann Susan Steinhauer mit der Partie abschließt.

 Susan Steinhauer ist ganz nah dran am Team des FV Dudenhofen, oftmals sogar hautnah. Die 24-Jährige ist Physiotherapeutin des Oberligisten und seit fünf Jahren bei dem Team dabei. Das Spiel erlebt sie auf der Trainerbank mit, packt aber zumeist vor dem Anpfiff tatkräftig an.

„Ich renne auch auf den Platz, wenn ein gegnerischer Spieler umfällt. In Notfällen gibt es keine Rivalität“, sagt Steinhauer, die selbst früher Handball spielte. Doch gängig ist das absolut nicht. In Standardfällen kümmert sie sich um ihre Gelb-Schwarzen. 

Das sieht dann so aus, dass sie vor dem Spiel, schon einige Minuten vor den Kickern den Treffpunkt ansteuert. „Ich schaue dann zuerst, ob alle Materialien da sind.“ Wasser, Coolpacks, Verbandszeug, japanischer Heilöl und auch Schmerztabletten packt Steinhauer jedenfalls ein. Ihre Ausstattung erinnert an eine Mutter vor einer Familienwanderung. „Schmerztabletten sind schon fast normal. Mit den Jahren weiß man, was welcher Spieler braucht“, erzählt Steinhauer, die Schwester des Sportlichen Leiters Florian Kober. Teils habe die Versorgung auch mit Ritualen der Fußballer zu tun. 

Nach der Bestandsaufnahme in Sachen Ausstattung geht es dann noch am Treffpunkt weiter mit dem Anlegen von Verbänden. „Das dauert meistens eine halbe Stunde“, erzählt die Physiotherapeutin. Auch Massagen gehören dazu. „Manche Vereine haben einen Massagetisch vor Ort, wir haben aber auch eine mobile Liege“, fügt die 23-jährige an.

Auswärts werde auch mal auf Bierbänken, auf Klapptischen oder auf dem Boden behandelt. Hier sei es auch so, dass eben die größeren Vereine nicht ganz so gut ausgestattet seien, auf dem Dorf jedoch einiges komfortables Massagematerial gestellt werde.

Was welcher Spieler letztlich vor dem Anpfiff braucht, das weiß Steinhauer mittlerweile. So seien Rami Zein und Christopher Koch immer in Behandlung bei der 24-Jährigen. Auch Kapitän Kevin Hoffmann sage selten nein. 

Ob sich dann während der Behandlung ein Gespräch entwickelt oder sich der Spieler im Tunnel befindet, überlässt Steinhauer tunlichst den Akteuren selbst. „Meist sind das ganz lockere Unterhaltungen. Ich taste mich da immer langsam vor, um herauszufinden, ob jemand reden will. Die Stimmung ist aber meist ganz entspannt.“ Sind alle FVD-ler versorgt, geht es für Steinhauer zum entspannten Teil über. Bei der Teambesprechung weilt die Physiotherapeutin aber stets in der Kabine. „Bei uns gehören alle zum Team dazu. Die Ansprache gehört aber immer den Trainern.“ In den 90 Minuten bleibt Steinhauer aber auch mal arbeitslos.

Schreckmomente„Ich kann die 90 Minuten entspannt verfolgen. Je weniger zu tun ist, umso besser“, sagt sie, erschreckt nur, wenn manche Spieler auf dem Rasen liegen bleiben. Aber sie wisse es auch einzuschätzen, dass ihre FVD-Akteure teils auf dem Rasen verweilen, weil sie schlichtweg eine kurze Zeit für sich brauchen. 

Kracht es auf dem Feld, ist Steinhauer als Erste auf diesem. „Das Schlimmste, das ich erlebt habe, war die schwere Schulterverletzung von Kevin Hoffmann“, sagt die Dudenhoferin. Ihre Aufgabe sei es auch, bei schwer verletzten Spielern zu bleiben, bis der Krankenwagen eintreffe.

Ist die Physio, so auch von den Spielern genannt, dann mal arbeitslos während des Matches, dann hilft sie an allen anderen Ecken und Enden, reicht zum Beispiel Getränke. Wunden lecken nach dem Spiel braucht sie im Regelfall jedoch nicht. 

„Das machen wir im ersten Training nach dem Spiel. Meistens habe ich nur dann noch mal Arbeit nach dem Spiel, wenn jemand Krämpfe hat“, erklärt Steinhauer, die etwa nach fünf bis zehn Minuten nach dem Abpfiff, auch emotional, mit der Partie abschließt.foto: rudi lange/frei

Quelle : Rheinpfalz, 20.August 2020 Benjamin Haag