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Trainer Schultz geht nach 17 Jahren

Mit dem Abbruch der Spielrunde hat Christian Schultz nach 17 erfolgreichen Jahren seine Trainertätigkeit beim Oberligisten FV Dudenhofen, wie angekündigt, beendet.

„Nach vierzig Jahren als Spieler und Trainer in vorderster Front brauche ich einfach mal ein Leben ohne Fußballverpflichtungen in der allerersten Reihe“, begründet der 44-Jährige, der im Familienbetrieb mit seinem Bruder ein Bauzentrum in Speyer führt, seinen Entschluss. Als künftiger Sportdirektor des Vereins lässt er aber doch nicht ganz los. 

Einmal FVD, immer FVD: Wenn diese Umschreibung für Vereinstreue auf jemanden zutrifft, dann auf Schultz. Mit fünf hat er den ersten FVD-Spielerpass erhalten und blieb dem Verein bis heute treu. „Angebote gab’s zwar immer mal wieder“, erinnert er sich: „Doch zu Verhandlungen ist es bis auf ein Gespräch mit einem befreundeten Trainer nie gekommen. Letztlich habe ich ihm dann aber doch abgesagt.“ 

Vereinschef Roland Klaus würdigt ihn als Vater toller Erfolge, dem er einen schöneren Abschied gegönnt hätte: „Schade, dass er die bärenstarke Runde nicht zu Ende spielen konnte. Mit offenem und ehrlichem Wesen sowie geschickter Menschenführung ist es ihm gelungen, unzählige wertvolle Spieler nach Dudenhofen zu holen. Wir sind Christian für vierzig Jahre Einsatz zum Wohle des Vereins zu großem Dank verpflichtet.

Berühmte Vorbilder

Hubert Trauth als Vorsitzender und Willi Lehr als Sportlicher Leiter überzeugten Schultz davon, das Traineramt zu übernehmen, berichtet Schultz. Mit positiven sportlichen und auch menschlichen Erfahrungen sowie vielen geknüpften Freundschaften habe er seine damalige Entscheidung nie bereut. 

Otto Rehhagel mit der Philosophie „die Wahrheit liegt auf dem Platz“ sowie Franz Beckenbauers ruhige und besonnene Art, seine Einstellung „geht raus und spielt Fußball“ hätten ihm besonders imponiert. Disziplin, Respekt, die entsprechende Einstellung und Mentalität seien für ihn wichtige Eigenschaften gewesen, die er von seinen Spielern immer erwartet habe. 

Schultz: „Auch wenn es etwas antiquiert klingen mag, Kameradschaft sehe ich als den entscheidenden Grundstein für unsere positive Entwicklung. Sie wurde immer ganz groß geschrieben“. 

Väterlicher Freund

Kevin Schall, seit Jahren Kapitän des Oberliga-Teams: „Christian war uns immer ein väterlicher Freund und ein äußerst kompetenter Herzblut-Trainer, der wesentlich zu unserer familiären Atmosphäre sowie unseren Erfolgen beigetragen hat.“

„Was die Spieler auch bewegt hat, er hatte jederzeit ein offenes Ohr für uns Spieler, als Mensch einfach unübertroffen“, meinte Schall: „Wir alle haben ihm so viel zu verdanken und wünschen ihm viel Glück und alles Gute für seine Zukunft.“ 

Für besonders wichtig erachtete Schultz auch immer die Nähe zu den Fans. Als schönste Erlebnisse nennt er die Derbys gegen Arminia Ludwigshafen, TuS Mechtersheim, FC Speyer 09 und Jahn Zeiskam, die zweimalige Teilnahme am Verbandspokalfinale und die drei Aufstiege. 

Trauriges Pokalende

Größte Enttäuschung sei die 0:1-Niederlage gegen FK Pirmasens im Pokal-Endspiel am 13. Mai 2015 gewesen mit dem entscheidenden Tor in der Nachspielzeit der Verlängerung (120+2.), das seine Mannschaft nach toller Leistung um das Elfmeterschießen gebracht habe. 

Auch der Abstieg aus der Oberliga 2018 als Sechstletzter mit 40 Punkten sei wenig erfreulich gewesen. Postwendend habe das Team dieses Negativerlebnis aber ausgebügelt und die sofortige Oberliga-Rückkehr geschafft.

Dass der FVD, den er 2003 als Landesligist hinter damals besser eingestuften Traditionsvereinen wie Wormatia Worms, Südwest Ludwigshafen, TuS Mechtersheim und FV Speyer übernahm und heute mit dem sechsten Oberliga-Rang besser als all diese Klubs dastehe, erfülle ihn mit etwas Stolz. 

Tolle Unterstützung

Sein herzliches Dankeschön gelte den Vereinsverantwortlichen, den Trainerteams sowie allen Betreuern für die „tolle Unterstützung“ über all die Jahre. Den Verein sieht er auch künftig gut aufgestellt.

Schultz: „Schön, dass ich in die Auswahl meines Nachfolgers Steffen Litzel eingebunden war. Ich bin davon überzeugt, dass er der richtige Mann ist. Steffen übernimmt ein intaktes Team und wird alles geben, um den erfolgreichen Weg fortzusetzen.“

Dudenhofen first

Wie könnte es auch anders sein, die Frage nach seinem Lieblingsverein beantwortet Schultz mit FV Dudenhofen. Dahinter rangiere der 1. FC Kaiserslautern. Sein Hauptanliegen für die nächste Zukunft: „Vor allem Gesundheit für meine Familie und Freunde in dieser schwierigen Corona-Zeit.“ 

Die neu gewonnene Freizeit möchte er zunächst seiner Familie widmen. Ansonsten gebe es noch nichts Spezielles: „Alles Weitere lass’ ich einfach mal auf mich zukommen.“ Von Manfred Scherer

RHEINPFALZ-Kommentar

Christian Schultz war in seiner Position an vorderster Front nie einer, der das Rampenlicht der Öffentlichkeit suchte. Im Gegensatz zu anderen (Trainer-)Kollegen musste ihn schon etwas mächtig wurmen, um Kritik in der Redaktion loszuwerden. In Erinnerung bleibt eigentlich nur ein Fall.

Im Gegenteil: „Ich nehm’ sie mir“, lautete ein oft gesagter Satz Schultz’, wenn die RHEINPFALZ den Geschäftsmann nach ein paar Minuten Zeit am Telefon fragte.

Zwei Begebenheiten mit Christian Schultz haften im Gedächtnis: das Treffen mit ihm und Ralf Gimmy, Trainer des FC Speyer 09, bei Nusszopf vor dem Verbandsligaderby im Schultz-Büro in Speyer und der Morgen nach der Oberligarückkehr, als Schultz trotz aller Feierlichkeiten wieder wie vereinbart die Zeit fürs Interview fand. Von Martin Erbacher

Die Rheinpfalz, 07. Juni 2020

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