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Das neue Public Viewing beim FVD

Corona hat die Bundesliga über Wochen stillgelegt – ein Trauerspiel für Fußballfreaks. Jetzt dürfen sie wieder mitfiebern. Der FV Dudenhofen hat sein Vereinsheim am Dienstagabend für die Mitglieder geöffnet. Statt Fahnen sind andere Stoffbahnen im Gepäck, statt Klammergriff gibt’s Abstandshalter – wenn nötig auf zwei Beinen.

Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten. Dagegen richtet selbst Corona wenig aus. Zum Glück, sagen die, die Punkt 18 Uhr im FVD-Heim aufschlagen. Genug durcheinandergewirbelt wurde das Leben seit März. Und das Virus bereitet selbst heuer noch Bauchweh. Geschäftsführerin Gertrud Krüger gibt das zu. Am Tag vor der Bundesliga-Partie Dortmund gegen Bayern hat sie das ereilt.

„Wir konnten nicht einschätzen, wie viele Leute kommen. Alles war völlig offen“, erklärt sie den Grund im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Im Vorfeld Einlasstickets ziehen, nein, soweit ließ es der FVD denn nun doch nicht kommen. Also: Überraschung. 

Krüger atmet aber relativ schnell auf – sofern das mit der Stoffmaske möglich ist, die sie vorbildlich über Nase und bis weit unters Kinn zieht. Ihr Gesicht verschwindet förmlich hinter dem Schutz. Der ist aber eben Pflicht, zumindest beim Rein- und Rausgehen.

Maske unverzichtbar

„Die Maske nervt schon“, gibt Patrick Metzger, Spieler der Zweiten Mannschaft, zu. „Aber“, fügt er mit einem Schulterzucken an: „Man hat keine andere Wahl und muss sich fügen.“ Uni-Schwarz ist sein Schutz, den er ohne Aufforderung vor dem Eingang anlegt und bei Ankunft am Tisch sofort wieder abstreift. 

Apropos Tisch: Hinsetzen, wie es beliebt, ist nicht an diesem Abend. „Wir haben Stühle rausgenommen, um den Mindestabstand zu bekommen“, sagt Krüger und deutet mit dem Finger exemplarisch auf eine lange Tafel in der Mitte des Raumes: zweimal vier Stühle am unteren und oberen Ende, in der Mitte Freiraum, ein ungewohntes Bild.

Rechtzeitig startete das FVD-Team mit den Vorbereitungen: „Wir haben alles am Sonntag schon organisiert, als wir wussten, wir wollen öffnen“, erzählt Krüger. Der Vorsitzende Roland Klaus hatte die Bundesliga im Blick und die freie Übertragung auf Sky. Schon in der Vergangenheit nutzte der Verein diesen Service immer wieder.

Topspiel zieht

„Gerade BVB – Bayern München ist eine Paarung, bei der grundsätzlich viele zum Zuschauen kommen“, weiß Krüger aus Erfahrung. Sie hat den Laden im Blick: „Halt! Stop!“ Zum wiederholten Mal will ein Gast achtlos am Stehtisch linkerhand der Eingangstür vorbeiziehen. Die Kumpels am Tisch haben Magnetwirkung. 

In Corona-Zeiten geht das so einfach nicht – schön brav in die Liste eintragen, auch für Fußballfans, Datenerfassung – Pflicht, wie so vieles. „Des ist än Lehrer. Der kommt im Moment net raus“, erklingt ein Ruf aus einer Ecke angesichts der überraschten Miene des FVD-Freundes. Die Ironie leidet nicht unter Corona. 

Um die 20 Männer jeden Alters versammeln sich bei Spielanpfiff im Vereinsheim. „Ausverkauft?“, ruft einer und deutet aufs Stadion auf der Leinwand, gähnende Leere auf den Rängen, Geisterspiel, wieder Ironie in Dudenhofen, Treffer. 

Lust bleibt

Hin- und hergerissen gibt sich keiner der Anwesenden von den Vorgaben, was seinen Besuch angeht. „Das schmälert die Lust zum Fußballschauen nicht“, meint Oberligakicker Eric Häußler. 

Andreas Hack, ab Juli Co-Trainer, schwingt sich auf einen Hochsitz. „Mir geht es darum, die Gastronomie und meinen aktuellen Heimatverein zu unterstützen“, begründet er, weshalb er nicht lange fackelte, als er von der Öffnung des Heims zur Bundesliga erfuhr. „Außerdem“, betont Hack, „macht es hier mehr Spaß als allein daheim auf der Couch“.

Pils, Pizza

Während in den Anfangsminuten an einigen Tischen noch Zwiegespräche über Sinn, Unsinn und Erlebtes mit Corona-Verordnungen laufen, liegt der Fokus dann doch schnell auf der Leinwand. „hopp, warum laafden der links net mit?“, „Fooouuul!“ und „oh nääää!“ nach einem vergurkten Kopfball in der 31. Minute – nie war Normalität so wohltuend. 

Pils, Schorle und Cola stehen auf Tischen. Pizza bestellen einige zur Halbzeit nebenan im Lokal zur Radrennbahn. „Wir sind froh, dass wieder ein paar Euro in die Kasse kommen“, sagt Krüger erleichtert. Seit dem 15. März war das Vereinsheim geschlossen. Jetzt geht es aufwärts. Der Frühschoppen, von Winfried Vlaig organisiert, läuft ebenfalls wieder.

Die Rheinpfalz,27.05.2020 – Susanne Kühner

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