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„Bundesliga? Das ist schon frech“

Eric Haeussler

Eric Häussler

Oberliga-Fußballer Eric Häußler (22) vom FV Dudenhofen plant, von August bis Dezember sein Auslandssemester in Chicago (USA) zu verbringen. Ob das funktioniert, wie er mit der Corona-Krise umgeht und was beim FVD anders als bei seinem vorherigen Verein FC Speyer 09 ist, hat er Nico Henrich im Interview verraten.

Können Sie trotz Corona in die USA?
Ich bin fast täglich mit dem schottischen Trainer vor Ort in den USA in Kontakt. Er sagt, dass es keine Probleme geben wird. Ich denke auch, dass es funktioniert. Außerdem habe ich ein F1-Visum, das mir den Aufenthalt als Student in den USA ermöglicht. Somit bin ich eigentlich geschäftlich dort. Die Saison wird sich aber verändern. Zwei Auswärtsspiele in Kalifornien wurden schon abgesagt. Der Verband möchte die Spiele regional halten. Das MAC-Tournament, ein Wochenend-Turnier mit mehreren Teams, in dem ermittelt wird, wer zu den nationalen Meisterschaften fährt, wird wahrscheinlich auch abgesagt.

Wieso haben Sie sich für den Schritt in die USA entschieden?
Schon nach meinem Abitur wollte ich in den USA studieren. Daran habe ich immer festgehalten. Jetzt gab es von meiner Uni die Möglichkeit eines Auslandssemesters, was mir auch im Hinblick auf meinen Master hilft. Ich freue mich auf das Erlebnis.

Wieso geht´s nach Chicago?
Die Stadt ist 50 Meilen entfernt. Das ist natürlich schön. Es hat alles gepasst. Die Uni ist top. Wir spielen in einer der besten Conferences und ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum Trainer. Bis auf meinen Flug bekomme ich alles finanziert.

Wie läuft der Auswahlprozess ab, und wie kann der Trainer Ihre Qualität beurteilen?
Ich musste ein Video meiner besten Szenen schicken. Weckt das Video das Interesse des Trainers, schaut er sich ganze Spiele an. Ist auch diese Rückmeldung positiv, fliegt er sogar persönlich her. Das konnte er aufgrund von Corona leider nicht mehr. 

Was hätte er von Ihnen in der Rückrunde sehen können?
Mein Ziel war es, jedes Spiel zu machen und meine Quote an Torbeteiligungen zu verbessern. Ich habe bisher 19 von 21 Spielen gemacht. Das sind mit die meisten. Darüber bin ich glücklich.

Was unterscheidet den FVD von Ihrem alten Klub FC Speyer 09?
Speyer versteht sich als Ausbildungsverein, und das können sie gut. Hier wird Männerfußball gespielt, und das können wir gut, genau dann bei hundert Prozent und mehr zu sein, wenn es darauf ankommt. Zudem ist der Spielstil ein anderer. Es geht mehr über die Physis und die mannschaftliche Geschlossenheit. Wie damals 30 Minuten nach dem Training gerade mal zu dritt in der Kabine zu sitzen, ist in Dudenhofen undenkbar. Hier bleibt man halt länger zusammen. Es herrscht eine andere Mentalität. Es ist schon etwas Besonderes, hier zu spielen. Meine Eingewöhnungszeit in der neuen Liga ist jetzt auch vorbei. Dass ich gut anfing, habe ich von mir erwartet. Sonst wäre ich nicht gewechselt. 

Im Sommer wechselt Steffen Litzel auf die Cheftrainer-Position. Was zeichnet Ihn aus?
Zunächst mal bin ich froh darüber, noch ein Jahr unter Christian Schultz gespielt haben zu dürfen. Was er über die Jahre in Dudenhofen geleistet hat, ist überragend. Steffen ist ein sehr kompetenter und ehrgeiziger Trainer. Zudem ist es keine absolut neue Aufgabe für ihn. Beim ersten Saisonsieg gegen Engers war er bereits Cheftrainer in Vertretung, und große Teile des Trainings übernimmt er sowieso. Er ist dieser Aufgabe definitiv gewachsen. 

Sind Sie zufrieden mit der Entscheidung des Verbandes hinsichtlich des Umgangs mit der aktuellen Spielrunde?
Aus gesundheitlichen Gründen ist die Entscheidung vernünftig. Aus sportlicher Sicht hätte ich die Runde gerne fertig gespielt. Wir haben eine überragende Saison gespielt. Es gab noch Spiele, die ich gerne gemacht hätte. Außerdem hätte ich gerne gesehen, wo wir am Ende gelandet wären.

Wie halten Sie sich fit?
Wenn man den ganzen Tag daheim ist, fällt einem irgendwann die Decke auf den Kopf. Sport ist die einzige Abwechslung, die ich habe. So oft hintereinander gejoggt bin ich zuvor definitiv noch nie. So langsam macht es sogar schon fast Spaß, ohne Ball zu laufen.

Ist die Fortsetzung der Bundesliga-Saison richtig?
Ich finde es frech, zwischen den einzelnen Ligen aus rein wirtschaftlichen Gründen zu differenzieren. Wenn man die Bundesliga stattfinden lässt, muss man den Amateursport auch zulassen. Viele Fanlager wehren sich zurecht gegen eine Fortsetzung. Ohne Fans ist der Fußball nicht derselbe. Ich finde es falsch, obwohl ich mich natürlich darauf freue, wenigstens ein bisschen Fußball zu sehen.

Quelle: Nico Henrich

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